Willkommen zum wichtigsten Teil unserer Serie rund um das Qualitätsmanagement in der ambulanten Pflege. 👋
Ab dem 1. Juli 2026 gilt eine neue Qualitätsprüfung für ambulante Pflegedienste. Wer bisher dachte „Hauptsache, die Dokumentation stimmt“, muss jetzt umdenken.
Denn mit der neuen QPR verschiebt sich der Fokus deutlich: Weg vom reinen Blick in die Akte – hin zur tatsächlichen Versorgungssituation der pflegebedürftigen Person. ⚠️
Die wichtigsten Eckdaten zur neuen QPR 2026
- Name: Qualitätsprüfungs-Richtlinien ambulante Pflege, Teil 1a – Ambulante Pflegedienste
- Herausgeber: Medizinischer Dienst Bund
- Inkrafttreten: 1. Juli 2026
Hintergrund ist das 2. Pflegestärkungsgesetz. Die ambulante Qualitätsprüfung folgt künftig stärker derselben Philosophie, die in der stationären Pflege und Tagespflege bereits angewendet wird.
Die Kernaussage der neuen QPR
Geprüft wird nicht mehr primär die Strukturqualität oder eine formal perfekte Dokumentation. Im Mittelpunkt steht künftig die fachlich begründete Versorgungsqualität in der Praxis.
Früher stand häufig die Frage im Vordergrund:
„Steht alles richtig im Papier?“
Künftig lautet die entscheidende Frage:
„Geht es der Person gut und bekommt sie die Versorgung, die sie tatsächlich braucht?“
Eine perfekte Dokumentation nützt wenig, wenn die Pflege in der Praxis nicht stimmt. Gleichzeitig führt eine einzelne Dokumentationslücke nicht automatisch zu einer schlechten Bewertung, wenn die Versorgung nachweislich fachlich korrekt und bedarfsgerecht erfolgt.
Schulnoten entfallen – Bewertung von A bis D
Die bisherigen Pflegenoten gehören der Vergangenheit an. Stattdessen arbeitet die neue QPR mit vier Bewertungskategorien für die Qualitätsbereiche 1 bis 3.
A – Keine Auffälligkeiten oder Defizite
Es liegen keine relevanten Auffälligkeiten vor.
B – Auffälligkeit ohne Risiko oder negative Folgen
Es gibt eine Auffälligkeit, diese führt jedoch nicht zu einem Risiko oder einer negativen Folge. Ein Beispiel wäre ein fehlendes Handzeichen ohne Auswirkung auf die Versorgung.
C – Defizit mit Risiko negativer Folgen
Es liegt ein Defizit vor, das ein Risiko für negative Folgen birgt, zum Beispiel eine mögliche Infektionsgefahr.
D – Defizit mit eingetretenen negativen Folgen
Es ist bereits eine negative Folge eingetreten, zum Beispiel ein Hautschaden oder eine gesundheitliche Verschlechterung.
Wichtig: Feststellungen der Kategorien C und D fließen in die veröffentlichte Qualitätsdarstellung ein – jedoch nicht als personenbezogene Einzelbewertung, sondern zusammengefasst.
Was bedeutet „negative Folge“?
Der Begriff der negativen Folge ist ein zentraler Bestandteil der neuen QPR.
Dabei geht es nicht um reine Formfehler, sondern um tatsächliche Auswirkungen auf die versorgte Person.
Gesundheitliche Schädigung
Zum Beispiel durch eine falsche Medikamentendosis, Dehydratation oder andere vermeidbare gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Fehlende bedarfsgerechte Hilfen
Zum Beispiel, wenn eine vereinbarte oder notwendige Leistung nicht erbracht wird, etwa eine erforderliche Mobilisation.
Nicht bedürfnisgerechte Versorgung
Zum Beispiel, wenn Wünsche, Selbstbestimmung oder individuelle Bedürfnisse wiederholt nicht beachtet werden.
Im Mittelpunkt steht also immer die Frage: Welche tatsächliche Auswirkung hatte das Problem auf den Menschen?
Sechs gleichrangige Informationsquellen
Der Medizinische Dienst bewertet künftig aus mehreren Informationsquellen. Diese stehen grundsätzlich gleichrangig nebeneinander.
- 1️⃣ Gespräch mit der pflegebedürftigen Person und Inaugenscheinnahme
- 2️⃣ Fachgespräch mit den Mitarbeitenden
- 3️⃣ Pflegedokumentation und Unterlagen
- 4️⃣ Gespräch mit An- und Zugehörigen
- 5️⃣ Beobachtungen während der Prüfung
- 6️⃣ QM-Dokumentationen
Die große Neuerung: Das Fachgespräch gewinnt deutlich an Bedeutung. Fachlich plausible und nachvollziehbare Aussagen der Mitarbeitenden zählen als wichtige Informationsquelle – nicht weniger als ein schriftlicher Eintrag.
Das ist eine große Chance für Pflegedienste, die ihre Versorgung fachlich erklären und begründen können.
Das Verifizierungsprinzip
Ein zentraler Grundsatz der neuen QPR ist das sogenannte Verifizierungsprinzip.
Das bedeutet:
- 🔑 Eine fehlende Dokumentation allein reicht nicht automatisch aus, um ein Defizit festzustellen.
- 🔑 Der Medizinische Dienst muss weitere Informationsquellen einbeziehen.
- 🔑 Dazu gehören zum Beispiel Gespräche, Beobachtungen oder Fachgespräche.
- 🔑 Fehlt nur ein einzelner Durchführungsnachweis, führt das nicht automatisch zu einer schweren Bewertung.
Wichtig ist jedoch eine zentrale Ausnahme:
Fehlt die individuelle Maßnahmenplanung komplett, gilt dies ohne weitere Prüfung als Defizit.
Der Grund: Ohne Maßnahmenplanung besteht grundsätzlich ein Versorgungsrisiko.
Dokumentation bleibt trotzdem wichtig
Auch wenn das Fachgespräch aufgewertet wird: Es ersetzt keine Dokumentation.
- ❌ Eine fehlende Maßnahmenplanung bleibt ein Defizit
- ❌ Widersprüchliche Aussagen helfen nicht weiter
- ❌ Systematische Dokumentationsmängel bleiben problematisch
- ✅ Dokumentation bleibt weiterhin rechtlich und abrechnungstechnisch wichtig
Gute Versorgung und gute Dokumentation gehören weiterhin zusammen.
Kurz erklärt für Auszubildende
- 1️⃣ Ab dem 1. Juli 2026 gilt die neue QPR.
- 2️⃣ Die alten Schulnoten entfallen.
- 3️⃣ Bewertet wird künftig mit A bis D.
- 4️⃣ Im Fokus stehen der Mensch und das Ergebnis der Versorgung.
- 5️⃣ Das Fachgespräch zählt gleichrangig zur Dokumentation.
- 6️⃣ Eine Dokumentationslücke allein ist nicht automatisch ein schwerer Mangel.
- 7️⃣ Eine fehlende Maßnahmenplanung bleibt jedoch ein klares Defizit.
Fazit
Die neue QPR 2026 verschiebt den Blick: Weg vom Aktenordner – hin zum Menschen.
Das Wichtigste in Kürze:
- 🚀 Start der neuen QPR: 1. Juli 2026
- 📊 Bewertung mit A bis D statt Schulnoten
- ❤️ Ergebnisqualität rückt stärker in den Mittelpunkt
- 🗣️ Fachgespräche werden deutlich wichtiger
- 📋 Eine Dokumentationslücke allein ist nicht automatisch ein Mangel
- ⚠️ Fehlende Maßnahmenplanung bleibt ein Defizit
Wer in der Praxis gut pflegt, die Versorgung fachlich begründen kann und sauber dokumentiert, ist auf die neue QPR deutlich besser vorbereitet.
Reiner Henrich
Die PflegedienstProfis GmbH
🌐 clever-nurses.de

